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Man muss Feste feiern, wie sie fallen.

 Feldmann und Mahler

Oberbürgermeister Peter Feldmann u. Oskar Mahler am 18.08.2015 beim Anschneiden des Geburtstagskuchen für den HBF

Die Franzosen haben am 14. Juli diesen Jahres den 228sten Jahrestag des Sturms auf die Bastille begangen und im selben Jahr feiern wir, die Menschen im Bahnhofsviertel am Freitag, den 18. August den 129. Geburtstag des Frankfurter Hauptbahnhofs.

Das sind jetzt alles andere als runde Jubiläen, aber auch krumme Geburtstage sollten gefeiert werden, wenn sie nur wichtig genug sind.

Wieso vergleiche ich hier ein so weltbewegendes Ereignis wie die Französische Revolution, mit der Eröffnung eines Bahnhofs? Weil es mir um den Vorgang des Hervorrufens geht.

So, wie die Revolution die Französische Republik hervorgerufen hat, so hat die Entscheidung, den damals größten Bahnhof Europas 700 Meter vor die Stadtmauer zu bauen, hervorgerufen, dass sich Frankfurt am Main, so klein es auch damals war,  zu einer Metropole entwickeln konnte.

Dass das Bahnhofsviertel Hochs und Tiefs erlebt hat, was zum Beispiel die Zahl der Bewohner angeht, von 11.000 Einwohner im Jahr 1913 bis zu 1.800 Bewohnern im Jahre 2005, ist bekannt. Das das Bahnhofsviertel am Anfang dieses Jahrtausends ein Ort war, der nicht viele Besucher anlockte, der aber heute zur Bahnhofsviertelnacht 40.000 Besucher ins Viertel strömen lässt, ist eine andere bekannte Tatsache.

Dass es dem Viertel guttun würde, ein eigenes Stadtteilfest zu feiern, diese Idee kam durch die Werkstatt Bahnhofsviertel, (eine allmonatliche Plattform, die seit 2001 jeden ersten Montag  im Monat tagt und sich aus Menschen zusammensetzt, die sich für das Viertel interessieren), im Jahre 2003 auf, folglich wurde, gemeinsam mit den Markthändlern, ein Sommerfest auf der Kaiserstraße organisiert und  durchgeführt.

Im Jahre 2006 entstand durch Diskussionen in eben dieser Werkstatt Bahnhofsviertel die Idee, dem alljährlichen Sommerfest, genannt Kaiserstraßenfest,  einen Inhalt zu geben. Nach kurzer Diskussion schälte sich ein Grund, der des Feierns wert ist, heraus: die Eröffnung des Frankfurter Hauptbahnhofs.

Nachdem sich diese Idee durchgesetzt hatte, stand ein runder Geburtstag des Hauptbahnhofs an, der 120ste im Jahre 2008. In diesem Jahr gab es bereits neben den Markthändlern und der Werkstatt Bahnhofsviertel noch zwei weitere Mitorganisatoren des Kaiserstraßenfestes, der neu gegründete Gewerbeverband und der ebenfalls neue Vereinsring des Quartiers.

Das Fest zum 120sten Geburtstag des Hauptbahnhofs sollte ein besonderes Fest werden und so fragten die Bahnhofsviertler sowohl bei der Stadt, als auch bei der Deutschen Bahn an, ob sich Stadt und DB an dem Fest beteiligen wollten.

Bei beiden Angefragten stieß die Idee auf reges Interesse und so teilte uns das PIA (Presse- und Informationsamt) mit, es wolle sich auf ihre eigene Weise an den Feierlichkeiten beteiligen, eine direkte Einmischung in die Feierlichkeit sei nicht das, was der Stadt vorschwebte, aber das PIA wolle ein eigenes Format entwickeln, dass zwei Dinge klar macht: Erstens dass seitens der Stadt die Idee, alljährlich den Bahnhofsgeburtstag zu feiern, auf Begeisterung stößt aber zweitens, dass die Sichtweise der Stadt auf den Stadtteil etwas anders ist, als das Feiern der Menschen, die im Viertel wohnen und/oder arbeiten.

So entstand das Konzept, dass die Stadt am Vorabend des Kaiserstraßenfestes den Stadtteil vorstellt. Das ist der Ursprung der Bahnhofsviertelnacht. Im Ersten Jahr, also im Jahre 2008 kamen ungefähr gleichviel Menschen sowohl zur Bahnhofsviertelnacht, als auch zum zweitägigen Fest am Freitag und Samstag. Beides wurde gleichwertig wahrgenommen, die Präsentation seitens der Stadt am Vorabend und die Feier in den zwei darauffolgenden Tagen.

Man muss neidlos zugestehen, dass die, von der Stadt organisierte Bahnhofsviertelnacht, die Veranstaltung,  was die Besucherzahlen betrifft, sich auf Dauer zu der erfolgreicheren Veranstaltung entpuppte. So kam es, dass in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit die Bahnhofsviertelnacht immer bedeutender wurde und das eigentliche Fest, das Kaiserstraßenfest, die eigentliche Geburtstagsfeier scheinbar immer unbedeutender.

Für viele von uns, die am Kaiserstraßenfest mitarbeiten und mitfeiern ist dies aber nicht der Fall. Wir schätzen sowohl die Bahnhofsviertelnacht und bedanken uns an dieser Stelle für das Engagement der Stadtregierung und der Tourismus und Congress GmbH und wir schätzen ebenso, das Geburtstagfest, dass wir mittlerweile schon manchmal als Erholung empfinden, als Erholung von den Massen, die zur Bahnhofsviertelnacht ins Viertel strömen, quasi „unter uns“ begehen können.

Der Hype, den das Bahnhofsviertel ausgelöst hat und weiterhin auslöst tut dem Stadtteil gut und die eigene Geschichte zu feiern, tut ebenfalls gut.

Deshalb feiern wir auch dieses Jahr wieder unser kleines Fest auf der Kaiserstraße. Anlässlich des Bahnhofsgeburtstags haben wir die Website frankfurt-bahnhofsviertel.de mit neuem Inhalt gefüllt.

Ein wichtiges Werkzeug, um Zukunft zu gestalten und weiter zu entwickeln, ist die Erinnerung an die Ursprünge, in unserem Fall an die Entstehung des Viertels – an das Schauen auf die Konzepte und Ideen, die der Entwicklung unseres Stadtteils zugrunde lagen. Aus diesem Grunde veröffentlichen wir an diesem Jahrestag die ausführlichste Chronik über das Bahnhofsviertel, die es bisher gegeben hat auf unserer neu gefüllten Website unter: frankfurt-bahnhofsviertel.de/chronik/

Peter Metz und Oskar Mahler haben diese Daten zusammengestellt und bestimmt fehlen noch viele Details, aber es ist jetzt schon ein guter Grundstock, um die Entstehung und Entwicklung des Frankfurter Bahnhofsviertels zu dokumentieren. Die Chronik ist auch gedacht für Studierende und Forscher, die sich über das unvergleichlich Frankfurter Bahnhofsviertel informieren wollen. Wir sind übrigens dankbar für jeden Hinweis auf Fakten, die fehlen und wir nehmen gerne weitere Details in unsere Chronik auf, zu diesem Zweck haben wir ein Kontaktformular auf der Seite eingerichtet.

Wir freuen uns sehr, wenn die Seite viele Besucher bekommt und wir freuen uns auf die Rückmeldungen unserer Leser.